Lobby-Kampagnen

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Grundsätze

  • Jede Art der Interessensvertretung wird besser, wenn sie professionell geplant ist.
  • Professionell bedeutet nicht immer teuer und aufwendig, wichtig ist aber, sich die einzelnen Schritte des Lobbyismus klar zumachen.
  • In Verbänden muss Lobbyarbeit abgestimmt werden mit der Mitgliederkommunikation – erst wenn die Mitglieder und die Verbandsführung an einem Strang ziehen, ist Lobbyismus erfolgreich.
  • In Unternehmen muss Lobbyarbeit abgestimmt werden mit der internen Kommunikation, aber auch viel wichtiger mit der externen Kommunikation (Marketing, PR), mit der strategischen Geschäftsführung. Lobbyismus wird unglaubwürdig, wenn sie losgelöst von den Zielen der Unternehmensführung agiert oder unternehmensinterne Grundsätze (Code of Conduct, Code of Ethics) verletzt.

Vorbereitungsphase

Eigene Analyse

  • Jede Lobbykampagne beginnt mit der Analyse der eigenen Schwächen und Stärken. Es geht vordergründig nicht um die Frage „Was will ich erreichen?“, sondern „Was kann ich mit einem vertretbaren Aufwand mit welchen Mitteln erreichen?“.
  • Die Auswahl von Lobbythemen sollte in erster Linie nach solchen ökonomischen Kriterien und nicht nur nach politischen Kriterien erfolgen: es kann auch manchmal Sinn machen, ein politisch sinnvolles Ziel zurückzustellen, um mittels der Erreichung eines zweiten, politisch machbaren Ziels das erste Ziel besser zu erreichen.
  • Unternehmensberater greifen bei der Analyse von Unternehmen auf teilweise sehr einfache Methoden zurück, um Stärken und Schwächen eines Unternehmens ausfindig zu machen. Diese Methoden eignen sich im begrenzten Umfang auch für die Analyse der eigenen Lobbykampagnen. An den Beispielen BCG-Matrix und SWOT-Analyse soll das dargestellt werden.
  • BCG-Matrix: die BCG-Matrix zeigt die Produktfelder eines Unternehmens und gliedert diese nach relativem Marktanteil (also in Verhältnis zum größten Konkurrenten) und Marktwachstum auf. Je höher Marktanteil und Rentabilität, desto besser ist das Produktfeld. Analog könnte man auch die Politikfelder einer Lobbykampagne nach Reichweite und öffentliches Interesse aufteilen. Je höher die Reichweite und das öffentliche Interesse, desto erfolgreicher ist eine Lobbykampagne.

BCG-Matrix

Hohes Marktwachstum Niedriges Marktwachstum
Hoher relativer Marktanteil Stars = ausbauen Cash-Cows = beibehalten
Niedriger relativer Marktanteil Questions = neu platzieren oder ausgliedern Dogs = abstoßen


Lobbymatrix

Hohes öffentliche Interesse Geringes öffentliche Interesse
Hohe relative Reichweite Super-Topics Pyjama-Topics = Selektieren
Geringe relative Reichweite Island-Topics – Bündnisse schmieden Good-Will-Topics


  • Natürlich lassen sich die Empfehlungen aus der BCG-Matrix nicht direkt auf die Lobbymatrix übertragen, aber dennoch lassen sich folgende Empfehlungen erarbeiten:
    • Super-Topics: Themen mit hohem öffentlichem Interesse, die von Organisationen mit hoher relativer Reichweiche auf die politische Agenda gesetzt werden, sind fast immer erfolgreich. Beispiel: Autobahnen-Tempolimit/ADAC.
    • Island-Topics: Themen mit hohem öffentlichen Interesse, die von Organisationen mit geringer Reichweite können nur dann auf die politische Agenda gesetzt werden, wenn die Reichweite durch das Schmieden von Bündnissen erhöht wird
    • Pyjama-Topics: Themen, die von Organisationen mit hoher Reichweite aber ohne öffentlichem Interesse auf die politische Agenda gesetzt werden sollen, muss man auf zwei Strategien angehen:
      • entweder, das Thema bleibt außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung und die Lobbyarbeit findet über politische Netzwerke statt
      • oder aber das Thema soll in die öffentliche Wahrnehmung und muss deswegen emotionalisiert werden
    • Good-Will-Topics: Themen, die von Organisationen mit geringerer Reichweite und geringem öffentlichen Interesse auf die politische Agenda gesetzt werden sollen, sind klassische Themen für den Bereich Non-Profit NGOs. Hier kann ehrenamtliches Engagement zur voller Höhe
  • SWOT-Analyse: mit der SWOT-Matrix untersuchen Unternehmensberater systematisch ein Unternehmensprofil. Es geht darum, sowohl externe Gefahren und Chancen zu ermitteln als auch interne Stärken und Schwächen darzustellen

SWOT-Analyse für Lobbykampagnen

Interne Analyse
Externe Analyse Stärken Schwächen
Chancen Welches Image hat mein Verband/Unternehmen und wie kann ich damit in der Öffentlichkeit wirksam werden? Welche gesellschaftlichen Entwicklungen verstärken unsere Interessen? Auf welche gesellschaftlichen Entwicklungen kann bisher noch nicht reagiert werden? Welche verbands-/ unternehmensinternen Potenziale liegen brach?
Gefahren Welche gesellschaftlichen Entwicklungen schwächen unsere Interessen? Wie können wir darauf mit unseren Stärken reagieren? Auf welche Gefahren kann das Verband/das Unternehmen nicht reagieren?
  • Wichtig ist es, dass sowohl SWOT-Analyse als auch die BCG/Lobbymatrix nicht abstrakt, sondern nur zusammen mit einem konkreten Lobbyziel bzw. einer konkreten Lobbykampagne verwendet werden. Die beiden Matrizen müssen also durch die Bearbeitung der weiteren Punkte der Vorbereitungsphase systematisch gefüllt werden.

Zielmanagement (Definition, Zeitrahmen, Messbarkeit)

  • Viele Interessensvertretungen insbesondere im ehrenamtlichen Bereich haben ein grobes Verständnis ihrer Arbeit und der Aufgabe ihrer Organisation (z.B. die Mitgliederinteressen vertreten, für eine besondere Idee zu werben)
  • Lobbyarbeit wird aber oft nicht systematisch auf ein Ziel hin orientiert. Sinnvoll ist es, sich in regelmäßigen Abständen konkrete Ziele zu definieren. Bspw.
    • Gesetzesänderungen
    • Erhöhung der zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel
    • Neu- oder Umbesetzungen von öffentlichen Stellen
  • Man muss sich darüber klar werden, welcher grobe Zeitrahmen ein Lobbyprojekt braucht:
    • Wird das Lobbyprojekt länger als ein Jahr dauern?
    • Wird es länger dauern als eine Legislaturperiode des Bundes- oder Landtags?
    • Wird das Lobbyprojekt länger dauern als ein durchschnittlicher Generationenwechsel innerhalb der eigenen Organisation?
  • Wichtig ist auch, das Ziel messbar zu machen, d.h. Indikatoren zu finden, an denen man den Erfolg des Projekts deutlich machen kann. Selbstverständlich sind Gesetzesänderungen, Mittelerhöhungen oder Umbesetzung von öffentlichen Ämtern allein schon Indikatoren, aber auch hier kann es deutliche Unterschiede geben:
    • Wie stark ist das neue Gesetz von den Interessen des Verbands beeinflusst?
    • Wie stark wurde die Mittelvergabe geregelt?
    • Aus welchem Umfeld kommt der neue Inhaber des öffentlichen Amts?

Analyse der Auswirkungen und der Akteure

  • Die meisten Lobbyprojekte sind Verwirklichungen von Partikularinteressen, die immer Widerspruch von anderen Partikularinteressen herausfordern.
  • Selbst Lobbyprojekte, die weitestgehend dem Allgemeinwohl dienen, sind Konkurrenten in der Ökonomie der öffentlichen Aufmerksamkeit, da der politische Wille zum Wechsel begrenzt ist.
  • Ebenso wenig sollte man nicht unterschätzen, wie stark ein Lobbyprojekt die Interessen derer berührt, welche an der Aufrechterhaltung des Status Quo interessiert sind.
  • Daher ist es wichtig, sehr genau die Auswirkungen von Lobbyprojekten zu analysieren.
    • Wer profitiert von einem Lobbyprojekt außer dem eigenen Verband?
    • Wer müsste Macht oder Einfluss abgeben oder gewinnt diesen hinzu?
    • Wer muss finanzielle Einbussen hinnehmen oder erhält finanzielle Zuschüsse?
  • Dadurch erhält man einen Überblick darin, welche relevanten Akteure in einem politischen Thema relevant sind.
  • Gleichzeitig sollte man aber auch nicht vergessen, sich auch die Akteure anzuschauen, die normalerweise nicht diesem Politikfeld zugeordnet sind, aber dennoch indirekte Auswirkungen spüren könnten (beispielsweise Rentner in der Bildungspolitik, Sportvereine in der Umweltpolitik)

Spezialisierung

  • Bei Lobbykampagnen ist es wichtig, dass schon in der Vorbereitungsphase innerhalb des Verbandes oder des Unternehmens sich Experten heranbilden und Spezialisten für einzelne Bereiche aufgebaut werden
  • Dies bedeutet natürlich nicht, dass man in einem Lobbyteam tausende von Mitarbeitern braucht. Allerdings ist es hilfreich, auch innerhalb eines kleinen Teams Aufgaben im Vorfeld zu verteilen.
  • Die Spezialisierung umfasst in erster Linie die Recherche von Positionen und Hintergrundmaterial, weniger die Kontaktaufnahme mit anderen Akteuren.
  • Folgende Spezialisierungen sind möglich:
    • themabezogen: auf einzelne Teilaspekte des Politikfelds eingehen
    • prozessbezogen: auf einzelne Phasen der Lobbykampagne spezialisieren (insbesondere dann, wenn mehrere parallel laufende Lobbykampagnen eines ähnlichen Feldes durchgeführt werden)
    • akteursbezogen: insbesondere dann, wenn die Lobbyarbeit permanent angelegt ist, ist es sinnvoll sich auf einzelne Akteure zu spezialisieren

Zeit- und Maßnahmenplan

  • In der Vorbereitungsphase ist es wichtig, dass analog zu jeder Kampagnenführung die zur Verfügung stehenden Ressourcen eingeschätzt und eingeplant werden:
    • Ressourcenplanung: wie viele materielle und finanzielle Ressourcen sind vorhanden und welche möchte ich einschätzen? Auf welche Ressourcen kann ich kurzfristig oder langfristig zurückgreifen? Gibt es im Fall zur Durchführung von Krisen-PR zusätzliche bereitstehende Mittel?
    • Personalplanung: in ehrenamtlichen Interessensorganisationen wird die Personalplanung oft stark vernachlässigt, insbesondere wenn das Engagement der Mitglieder sporadisch ist oder eine hohe Personalfluktuation besteht. Dennoch hilft es, vor der Erarbeitung einer Lobbykampagne auch bei ehrenamtlichen Organisationen solche Fragen anzusprechen, um Schwachpunkte der Lobbykampagne frühzeitig erkennen zu können
    • Hierarchisierung: viele ehrenamtliche Verbände besitzen eine Struktur, allerdings können die funktionalen Hierarchien von Lobby-Verbänden nicht eins zu eines auf die notwendigen (Wissens-)Hierarchien von Lobbykampagnen abgebildet werden. Wichtig sind insbesondere Fragen danach, welche Informationskanäle und welche Entscheidungsinstanzen es für die verschiedenen Bereiche des Lobbyismus gibt.
  • Bei Verbänden ist hier insbesondere wichtig, den Dialog zu den Mitgliedern eines Verbands aufzunehmen und deren Lobbypläne mit denen des Dachverbands abzustimmen.
  • Ohne Zweifel gehören solche Planung in größeren wie auch in kleineren Verbänden zum Alltag, allerdings finden diese Planungen oft wenig koordiniert oder nicht unter der Zielsetzung des Lobbyismus, sondern eher unter der Zielsetzung der Verbandstätigkeit statt.

Informationskontrolle

  • Bei der Erarbeitung von Lobbystrategien ist es wichtig, sich frühzeitig darüber klar zu machen, wie man mit den in der Vorbereitungsphase erarbeiteten Informationen umgeht, insbesondere welche Informationen öffentlich, verbands- oder unternehmensintern bzw. nicht-öffentlich sind.
  • Ein Anhaltspunkt dafür könnte sein, ob bestimmte Argumente stark oder schwach sind, beispielsweise dass man starke Argumente öffentlich macht und schwache Argumente verbandsintern lässt.
  • Das muss aber nicht die beste Strategie sein – oft ist es durchaus sinnvoll, dass man auch schwache Argumente frühzeitig öffentlich macht, insbesondere wenn man davon ausgehen kann, dass diese Argumente in der öffentlichen Diskussion auftauchen. Auch andere Organisationen machen ihre Hausaufgaben.

Pressearbeit

  • Je nachdem, ob eine Lobbykampagne das Ziel hat, die Öffentlichkeit zu überzeugen, muss natürlich auch die Pressearbeit geplant werden. NGOs und politische Projekte machen Pressearbeit oft sehr sporadisch, eher reaktiv und wenig professionell – große Verbände und Unternehmen haben das natürlich längst professionalisiert.
  • Bei der Pressearbeit muss man die Zielgruppe definieren, die man mittels der Pressearbeit erreichen will, weil sich danach auch die Wahl der Pressepartner ergibt. Nichts ist unproduktiver als das massenhafte Versenden von Presseerklärungen an Redaktionen.
  • Sinnvoll ist es, frühzeitig Kontakte zu den jeweiligen Fachjournalisten in den Redaktionen aufzunehmen und die entsprechenden Fachzeitungen ins Boot zu holen.
  • Durch Hintergrundgespräche mit den Medien kann man Informationen streuen, ohne damit unmittelbar in der Öffentlichkeit zu stehen. Natürlich ist es wichtig, die Regeln dieser Hintergrundgespräche zu kennen, wie zum Beispiel die Kategorisierung von Informationen (Unter 3=“Zitate mit Namen erlaubt“, Unter 2=“Zitate ohne Namensnennung erlaubt“, Unter 1=“Nicht zu zitieren“).
  • Man sollte auch darüber nachdenken, dass eine Medienpartnerschaft eventuell mehr bedeuten kann als nur die Veröffentlichung von Presseerklärungen, sondern Beratung in Öffentlichkeitsarbeit, zur Verfügung stellen von Expertise oder Kontaktvermittlung beinhalten kann.
  • Viele NGOs insbesondere wenn es um Interessen geht, die üblicherweise in den Medien zu kurz kommen, sehen in den Medien oft so etwas wie „Feinde“, die nur nach den üblichen Methoden der Ökonomie der Aufmerksamkeit agieren. NGOs unterschätzen dabei, wie stark Medien auch grundsätzlich bereit sind, auch Randgruppen und besondere Themen auf die politische Agenda zu setzen, wenn sie auf professionelle Weise kontaktiert werden.
  • Zum professionellen Kontakt gehört
    • Presseerklärungen sollten personalisiert und an den zuständigen Redakteur geschickt werden
    • Presseerklärungen sollten den Redaktionsablauf berücksichtigen, also am besten vormittags versandt werden
    • Um zu verhindern, dass brisante Nachrichten vorzeitig veröffentlicht werden, kann man mit einer Sperrfrist arbeiten.
    • Presseerklärungen sollten wie ein Artikel verfasst werden, d.h. direkte Rede und Zitate enthalten, das Wichtigste zuerst nennen, alle Akteure mit Altersangabe benennen, die Verfasser eindeutig kennzeichnen und auf lange Abhandlungen verzichten (maximal anderthalb Seiten) und Kontaktmöglichkeiten nennen
    • Hintergrundmaterial, Statistiken, längere Argumentationsketten sollten lieber schriftlich als Dossiers und nicht als Pressemitteilungen an die Medien verschickt werden, da diese thematisch geordnet und archiviert werden.
  • Es ist sinnvoll, innerhalb einer Lobbykampagne einen Terminplan mit Presseerklärungen zu erstellen, damit man nicht nur auf neue Ereignisse reagiert, sondern die Kontrolle über die Pressearbeit behält.
  • Jede Pressearbeit sollte kontrolliert werden, zum Beispiel indem man professionelle Agenturen den Auftrag gibt, die erschienen Artikel zusammeln (Pressespiegel). Zusätzlich dazu sollte man die Medien um Exemplare der Artikel bitten.

Konfliktphase

  • Wenn eine Lobbykampagne gut vorbereitet ist, dann kann gezielt in die Konfliktphase eingetreten werden.
  • Die Konfliktphase bezeichnet alle Aktivitäten, die dazu führen sollen, die eigenen Interessen durchzusetzen.
  • Nicht jede Lobbykampagne muss einen tatsächlichen „Konflikt“ darstellen, die meisten Lobbykampagnen laufen relativ konfliktlos ab. Allerdings sind die „Konfliktpartner“ immer auch andere Themen, die ebenfalls in die Öffentlichkeit gelangen.
  • Es kann durchaus auch sein, dass nicht gezielt in die Konfliktphase eingetreten werden kann, sondern man in die Konfliktphase „hineingezogen“ wird durch externe Akteure. Umso wichtiger ist, dann die genaue Planung.

Partnerbearbeitung

  • Die Partnerbearbeitung baut auf der vorherigen Analyse der Akteure im jeweiligen Politikfeld auf.
  • Die Partnerbearbeitung besteht nicht darin, dass man wahllos und unkoordiniert Pressemitteilungen oder Kooperationsanfragen an diejenigen schickt, die vielleicht an einem gemeinsam Strang ziehen könnten.
  • Bei der Partnerbearbeitung geht es darum, gezielte Kommunikationsstrukturen zu den in der Analyse identifizierten Akteuren aufzubauen.
    • Austausch von Informationen
    • Vereinbarungen über Zusammenarbeit
    • Koordination der Pressearbeit
  • Partner sind natürlich in erster Linie diejenigen Unternehmen/Verbände/NGOs/Individuen, die (teilweise) ähnliche Interessen verfolgen und in ähnlicher Weise betroffenen sind. Solche Partner sind natürlich in erster Linie Ansatzpunkte für Kooperationen.
  • Konflikt-Partner im weiteren Sinne sind aber auch Unternehmen/Verbände/NGOs, die vollkommen gegensätzliche Interessen haben – sie sind in der Partnerbearbeitung nicht zu vergessen. Auch zu Ihnen kann man gezielte Kommunikationsstrukturen aufbauen, zum Beispiel indem man sich auf Spielregeln in der Konfliktphase einigt.

Kampagnisierung

  • Zu jeder politischen Kampagne, die Öffentlichkeit erreichen will, gehören öffentliche Ereignisse. Die Vielfalt ist da sehr groß: Pressekonferenzen, Inhaltlichen Kongresse, Demonstrationen, Besetzungen von öffentlichen Einrichtungen, Buchvorstellungen, Podiumsdiskussionen, Stände in der Fußgängerzone, Unterschriftensammlungen und ähnliches können dort eingesetzt werden.
  • Die Wahl der Methoden muss dabei natürlich den Zielen der Öffentlichkeit angepasst werden und nicht nur von den verfügbaren Ressourcen abhängig sein, sondern auch, welches Image eine NGO haben möchte und ob sie dadurch die eigenen Mitglieder mobilisieren kann.

Umsetzung der Lobbyziele

  • Der Einfluss auf die Politik wird wahrscheinlich über Öffentlichkeitsarbeit nur indirekt umgesetzt, viel wichtiger sind direkte Gespräche mit den politischen Entscheidungsträgern.
    • Dabei werden oft die Gespräche mit Spitzen-Politikern in ihrer Bedeutung überschätzt, da oft die Beamten aus der zweiten oder dritten Reihe wesentlich zugänglicher für Informationen sind und einen sehr großen Einfluss auf spätere Politikergebnisse haben können.
  • Sehr aufwendig, aber oft sehr sinnvoll ist es, konkrete Vorlagen für Gesetze zu entwickeln, da dadurch oft erst erkannt wird, welche Veränderungen überhaupt politisch möglich und sinnvoll sind. Bei größeren Lobbykampagnen hilft es zwar nichts, umfangreiche Gesetze vorzubereiten (zum Beispiel eine Reform des BGBs), da der Aufwand den Nutzen überschreitet, aber zumindest die Eckpunkte einer Lobbykampagne auf ihre gesetzliche Umsetzbarkeit zu prüfen (z.B. welche Ebenen der Legislative zuständig sind), kann fruchtbar sein.
  • Nicht zu unterschätzen sollte auch die Bearbeitung der jeweiligen Regierungsparteien. Obwohl die Bedeutung der Legislative abnimmt und auch die Parteiapparate immer weniger die Regierungsmitglieder ihrer Parteien kontrollieren können, sind die verschiedenen Unterorganisationen der Parteien (z.B. bei der SPD die Jusos, die AG 60+ oder bei der CDU die Frauenunion) durchaus in der Lage, zumindest die informellen Kontakte herstellen zu können.

Online-Lobbyismus

  • Online-Lobbyismus nimmt eine immer wichtigere Stellung bei der Planung und Durchführung von Kampagnen ein, da einerseits der Aufwand gering ist, andererseits die Resultate relativ gut sind.
  • Durch diese gute Kosten-Nutzen-Relation kann es aber auch passieren, dass man die Instrumente in einer Weise verwendet, die den Zielen nicht angepasst ist.

Statische Webseiten

  • Jeder Verband, NGO oder Unternehmen benötigt eine statische Webseite, auf der die wichtigen Informationen jederzeit abrufbar sind.
  • Statische Seiten eignen sich dazu, Informationen zur Verfügung zu stellen, auf die andere verlinken sollen bzw. die auch langfristig auffindbar sein sollen.
  • Die Programmierung statischer Webseiten ist in den meisten Fällen ohne Aufwand zu haben, Content-Management-Systeme wie Typo3 erleichtern die Arbeit, sind aber teilweise unflexibel in der Gestaltung.
  • Statische Webseiten sind die Basis einer jeden Kampagne, sie können aber nur als Ergänzung zu den anderen Online-Tools gelten, da sie wenig interaktiv sind. Alle interaktiven Online-Methoden müssen aber bei Ihr angesiedelt werden.

Email-Newsletter

  • Newsletter sind eher für spätere Phasen eine Lobbykampagne geeignet, wenn die Aufmerksamkeit in der Zielgruppe schon erreicht worden ist.
  • Sie eignen sich gut zur Mitgliederkommunikation, da dieses keine Aktivität von den Mitgliedern erwartet, sie sind auch offline verfügbar und können ändere Tools gut ergänzen.
  • Sie sind schnell editierbar und können der Verbandsidentität gut angepasst werden.
  • Newsletter müssen abonniert werden, daher ist das Commitment der Leser eher gegeben. Das unaufgeforderte Senden von Newslettern gilt als Spam und ist strafbar.
  • Ein Nachteil besteht in der Überflutung der Zielgruppe mit zu vielen Newslettern, weniger ist da oft mehr.
  • Es ist kaum Interaktion mit den Empfängern möglich, es sei denn, man baut diese in die Newsletter ein oder benutzt die Newsletter als Teaser für weitere Artikel auf der Homepage oder im Blog.

Wiki-Tool

  • Wikis sind Websiten, die frei editierbar sind und die sich gut eignen, um Prozesse zu strukturieren und zu visualisieren.
  • Wikis eignen sich für interne und externe Kommunikation. Ein gutes Beispiel für externe Wiki-Kommunikation ist zum Beispiel das Wiki von „Mein Parteibuch“, das in Kombination mit dem Blog eine hohe politische Reichweite hat.
  • Dennoch sind Wikis natürlich in erster Linie für die interne Kommunikation geeignet. Ihr Vorteil liegt im dezentralen Zugang und ihrer hohen Aktualität
  • Nachteil ist, dass öffentliche Wikis zwar einen einfachen Zugang haben, aber gleichzeitig die Gefahr besteht, dass Informationen schnell nach außen gelangen.

Mailing-Listen, Emailverteiler, Massen-Emails

  • Mailinglisten sind für interne Kommunikation in kleinen Gruppen sinnvoll, aber durch den Wegfall der non-verbalen Kommunikation sorgen sie oft für mehr Ärger als sie eigentlich vermeiden sollen.
  • Massen-Emaillisten sind sehr wenig sinnbringend, grenzen an Spam und werden oft beim Empfänger gnadenlos aussortiert. Das betrifft insbesondere per Email verschickte Online-Petitionen.
  • Wenn man für Presseerklärungen Emaillisten benutzt, sollte man diese in jedem Fall personalisieren, allerdings erhöht sich dadurch auch der Aufwand, diese zu pflegen.
  • In letzter Zeit setzt sich in der Netiquette bei Emails eher durch, dass Emails möglichst kurz und knapp formuliert sein sollten, für persönliche Nachrichten oder die erste Kontaktaufnahme sollte man sowieso auf Briefe, Karten oder Telefonate zurückgreifen.

Online-Petitionen

  • In den letzten Jahren haben die Anzahl von Online-Petitionen zugenommen, allerdings damit auch die Wirksamkeit der Petitionen abgenommen
  • Die meisten Online-Petitionen haben nur einen symbolischen Wert, da für Petitionen beispielsweise beim Bundestag nur echte Unterschriften gelten. Nichtdestotrotz ist auch der Bundestag dazu übergegangen, den Bürgern die Möglichkeit anzubieten, Online-Petitionen einzurichten.
  • Online-Petitionen haben nur dann einen Sinn, wenn man die Möglichkeit bietet, über das politische Ziel zu informieren und auch danach noch mit den Unterschreibenden Kontakt aufzunehmen.

Gästebücher/Foren

  • Von Gästebüchern und Diskussionsforen ist eher abzuraten, da der Aufwand zur Moderation dieser Formen sehr hoch ist.
  • Sie strukturieren zwar einen Diskussionsprozess besser als kleine Emaillisten, allerdings ist die Hemmschwelle der Nutzer etwas beizutragen relativ hoch.

Podcast

  • Podcasts sind kleine Audio- und Videobeiträge, die von den Benutzern abgerufen werden können.
  • Sie können informativ oder emotional sein und sind deswegen für die unterschiedlichsten Lobbykampagnen sehr gut geeignet sein, wenn man eine hohe Reichweite erreichen will.
  • Insbesondere bei gut gemachten Videos ist die Chance, in der Zielgruppe Zufallstreffer zu landen, relativ hoch, allerdings sind Podcasts nicht für alle Zielgruppen geeignet

Blog

  • Blogs sind datenbankbasierte Artikelsysteme, die es ermöglichen, schnell Artikel ins Netz zu stellen, ohne dafür große Programmierkenntnisse zu haben.
  • Blogs sind aktuell, da sie immer die neuesten Artikel nach oben stellen, allerdings benötigen sie deswegen auch eine regelmäßige Wartung.
  • Sie sind in den meisten Fällen sehr authentisch, da Blogs sehr subjektiv sind. Wenn sie authentisch sind, dann haben sie eine enorme Reichweite.
  • Die wichtigste Eigenschaft sind aber ihre Interaktionsmöglichkeiten:
    • Der Leser kann jeden Artikel kommentieren.
    • Andere Blogger können via Trackbacks eigenen Artikel als Kommentar ablegen.
    • Man erfährt als Blogger sehr schnell, wer zu einem verlinkt.
  • Sie erreichen in den Suchmaschinen schnell hohe Platzierungen durch gegenseitiges Verlinken und sind deswegen ideal, um bestimmte Inhalte schnell zu verbreiten.
  • Via Newsfeeds können Leser sich bestimmte Blogs abbonieren und werden so unmittelbar informiert.

Chat-Tools (Skype, Konferenzen)

  • Sind geeignet für dezentrale Telefonkonferenzen, da sie kostenlose Telephonie per VoiceOverIP erlauben, allerdings können sie die persönliche Interaktion nicht ersetzen.

Social Networks

  • Social Networks sind Online-Plattformen, die es den Nutzern erlauben, Benutzerprofile anzulegen und diese miteinander zu verknüfen.
  • Viele SocialNetworks (StudiVZ, XING, MYspace, Facebook, SchülerRG) bieten die Möglichkeit, Gruppen zu gründen, die auch thematischen Bezug haben.
  • Das interaktivste politische Social Network ist www.takingitglobal.org, mit zahlreichen Funktionen und Hintergrundinfos.
  • Social Networks erlauben es, in dezentralen Netzwerken die Kontakte einfacher zu verwalten, sind aber als Instrumente der politischen Mobilisation noch nicht ausgereift.

Online-Portal

  • Zu zahlreichen Themen gibt es thematische Online-Portale.
  • Auch Portale wie Indymedia.org sind thematisch geordnet.
  • Sie eignen sich gut als Multiplikator, um z.B. Pressemitteilungen zu verbreiten oder Konferenzen anzukündigen.

Follow-Up-Phase

  • Die wenigsten NGOs nehmen sich auch die Zeit, um ihre Kampagnen einer gezielten Erfolgskontrolle zu unterwerfen
    • Welche Maßnahmen waren besonders erfolgreich?
    • Welche Kontakte sollte man weiter betreuen?
    • Mit welchen Partnern sollte man in einen instutionalisierten Dialog treten?
    • Wie hat eine Kampagne meinen Verband und unsere interne Kommunikation verändert?
  • Der Pressespiegel als auch die Ergebnisse der Lobbykampagne sollten in einer Pressekonferenz zum Abschluss dargestellt werden, bei mehreren Lobbykampagnen kann man auch die besten Methoden in Form von „Best Practice“-Sammlungen bekannt machen. Insbesondere ein Jahr oder fünf Jahre nach dem Beginn einer Lobbykampagne kann man so die Öffentlichkeit noch mal mobilisieren.